Bier&Breze - Der Philoskonomie Finanzblog

Ziel dieses Blog ist es, Denkanstöße zu geben und Diskussionen zu provozieren. Meine Posts sind nicht wissenschaftlich belegt, in der Regel absolut subjektiv, einseitig und wertend. Aber genau damit möchte ich Ihnen einen Nadelstich versetzen, der Ihnen hoffentlich einen Kommentar abringt.

Bitcoin, Ripple oder Ethereum – wer hat das größte Potenzial?

blockchains

Das Blockchains wie Ripple, Bitcoin oder Ethereum rein technisch betrachtet ein Höchstmaß an Sicherheit bieten, steht außer Frage. Aber reicht das, um in Zukunft erfolgreich zu sein? Diese Frage stellt sich vor allem dann, wenn man seine geliebten Old-School Euro-Penunzen in Digitalwährungen investieren möchte. Denn nur diejenige Technologie, die einem breiten Publikum einen spürbaren Vorteil bietet, wird sich in Zukunft auch durchsetzen. Da alle Krypto-Ketten das Ziel haben Transaktionen abzuwickeln, kann man das Zukunftspotenzial am besten anhand der Finanzwelt prüfen. Denn wenn es hier etwas im Überfluss gibt, dann sind es Transaktionen. Ich habe mir die drei aktuell am meist gehyptesten Blockchains angeschaut und versucht, deren Zukunftspotenzial zu beurteilen.

Hash ist kein Kraut zum Rauchen

Wer sich in die Technologie der Blockchains kurz einlesen möchte, dem empfehle ich die Artikel Wie funktioniert eine Blockchain? und Wie disruptiv ist die Blockchain für Banken wirklich?. Hier werden Grundbegriffe erklärt und der Prozess einer Transaktion im Falle der Bitcoins dargestellt.

Bewertungsmaßstab

Es ist natürlich schwer, eine Bewertung vorzunehmen, ohne eine hundertseitige wissenschaftliche Abhandlung pro Digitalwährung zu verfassen. Ich glaube aber, man kann die Blockchains da packen, wo sie selber ihre Stärke sehen – der disruptiven Kraft, vor allem gegenüber Banken. Aus naheliegenden Gründen werden Blockchains oftmals im Bereich des Zahlungsverkehrs und der Abwicklung von Wertpapiertransaktionen als neue Killerapplikation gesehen. Betrachtet man diesbezüglich z.B. Bitcoins, muss aber konstatieren, dass diese per Stand heute weder als Instant Payment System (=Zahlungsabwicklung innerhalb weniger Sekunden) noch als Massenzahlungsverkehrssystem taugen. Dies vor allem deshalb, da nur alle 10 Minuten ein neuer Block entsteht. Die Frage des Potenzials einer Kryptokette und damit Ihrer zugehörigen Digitalwährung bestimmt sich also nicht nur aus der Blockchain-Technologie selbst, sondern aus deren Umsetzung. Wer hat Zugang zu dem Netzwerk, wie schnell können Transaktionen verifiziert und in neue Blöcke gegossen werden. Die wichtigste Frage jedoch bleibt die des Inhalts einer Blockchain. Je flexibler der Inhalt einer Transaktion, desto größer ist der Nutzerkreis und desto häufiger werden Transaktionen durchgeführt. Der reine Währungsaustausch von A nach B wird in Zukunft nicht mehr reichen!

Bitcoin wird es wohl nicht werden...

Bitcoins haben gegenüber den später vorstellten Systemen aus meiner Sicht einen großen Vorteil. Nach dem Abschluss einer Transaktion gehören die Bitcoins automatisch dem Empfänger. Bei anderen Systemen wie z.B. Ethereum überträgt man i.d.R. Rechte. Man kann dann zwar sicher sein, dass dieses Recht korrekt und unwiderruflich übertragen wurde. Ob es aber einlösbar ist, garantiert die Blockchain nicht. Zu Licht kommt bei Bitcoins aber auch viel Schatten. Auch wenn es einige vielleicht nicht hören wollen, aber Bitcoins haben neben einigen anderen Mankos (z.B. die Verteilung der Hashwerte auf zu wenige Pools) ein Imageproblem. Es mag eigenartig klingen aber ich glaube, allein aus diesem Grund wird es schwer sein, große Unternehmen für eine Teilnahme an der Technologie zu gewinnen. Damit wiederum fehlt der Digitalwährung aber die breite Akzeptanz. Zieht man einmal die Glücksritter ab, die sich Bitcoins zum Zocken gekauft haben, dann ist der wahre Nutzerkreis im Gesamtverhältnis minimal. Wenn nicht noch ein grundlegendes Wunder geschieht, werden Bitcoins meines Erachtens bei der Disruption der Banken- und Finanzwelt keine Rolle spielen. Ob sie als langfristig als Währung verwendbar sind, wird die Zeit zeigen. Ich persönlich glaube, dass diesbezüglich bessere Konzepte entstehen werden.

Ethereum macht vieles richtig

Man darf aber die Innovationskraft der Programmierer von Digitalwährungen nicht unterschätzen. Denn in Ethereum z.B. wurden schon wesentliche Verbesserungen vorgenommen. Diese erschweren es bereits, von einer reinen Digitalwährung zu sprechen. Zum einen werden neue Blöcke in viel kürzeren Zeitabständen (ca. 12 Sekunden) geschrieben und zum anderen ist das Konzept zu den Inhalten der Blockchain grundlegend anders als bei Bitcoins. Während der Zweck bei Bitcoins ausschließlich der Handel der eigenen Währung ist, wurde Ethereum schon deutlich flexibler programmiert. Zwar gibt es auch hier eine eigene Währung namens Ether. Aber Transaktionen können nicht nur aus Geldüberweisungen, sondern aus dem Austausch von Informationen oder Rechten bestehen – den sog. Dapps (Distributed Apps), die wiederum aus sog. smart contracts bestehen. Diese smart contracts sind Ketten von Bedingungen und darauf basierenden Aktionen. Das ganze wird noch interessanter, da smart contracts in der eigens dafür verwendeten Sprache Solidity flexibel programmiert werden können. Damit sind die Anwendungsgebiete nahezu unbeschränkt und nicht nur auf die Finanzwelt beschränkt. Denn neben Aktien, Geldbeträgen, Anleihen usw. können z.B. auch Zertifikate und Verträge zwischen zwei Parteien fälschungssicher ausgetauscht werden. Dieses Potenzial haben auch Unternehmen wie Microsoft, Intel, Samsung und unzählige Banken erkannt und die Enterprise Ethereum Alliance gegründet. Damit hat die Technologie von Ethereum gute Chancen, eine tragende Rolle in Transaktionsprozessen jeglicher Art zu spielen.

Ripple - Kooperation anstatt Disruption

Die Ripple Technologie versucht die positiven Eigenschaften der Blockchain mit den praktischen Bedürfnissen von Finanzmarktteilnehmern zu kombinieren. Im Vergleich zu Bitcoins, deren Ziel die Schaffung einer begrenzten Währung ohne staatliche Regulierungsstelle ist, geht Ripple Labs einen pragmatischeren Weg. Anstelle der Konfrontation mit Banken, sucht man lieber die Zusammenarbeit. Ripple ist eine Plattform, auf der alle Parteien Forderungen und Verbindlichkeiten mit dem System der Distributed Ledger Technology (DLT) und der Sicherheit einer Blockchain austauschen. Das System basiert auf gegenseitigen Schuldscheinen (IOU, abgeleitet vom englischen I owe you [ich schulde Dir]) der Nutzer. Die Datenbank ist also eine Art riesiges Kassenregister. Mittels des Ripple-Gateways, an welches auch viele Banken angeschlossen sind, können Guthaben in verschiedenen Währungen oder sogar der „Hauswährung“ Ripple Coins gegen IOUs getauscht werden. Ripple Labs verfolgt mit dem System ganz irdische Ziele, indem man versucht, den Kurs der eigenen Ripple Coins (XRP) aufgrund steigender Nutzerzahlen und dem damit steigenden Netzwerkeffekt nach oben zu treiben. Denn dann würden die vorgeschürften (Pre-Mining) und von Ripple Labs einbehaltenen 25 Mrd. Ripple Coins natürlich einen entsprechenden Gegenwert in Real-Life Dollars erhalten. Ähnlich wie bei Ethereum, wo letztlich nur Rechte übertragen werden, kann man sich auch bei Ripple nicht sicher sein, ob die Forderung nach einem Ripple internen Tausch durch das Gegenüber bezahlt wird. Allerdings versucht man hier eine Mittelweg zwischen Bitcoin und Ethereum zu beschreiten. Mit der sog. Vertrauensbeziehung soll die Bonität des anderen Teilnehmers überprüft werden. Kennen sich beide Parteien nicht direkt, versucht Ripple einen sog. Vertrauenspfad über andere Teilnehmer zu suchen. Dies ist ähnlich wie bei LinkedIn, wo man feststellt, dass man über 4 Leute irgendwie doch die halbe Welt kennt. Von daher ist Ripple sicherlich auch ein Anwärter für zukünftiges Wachstum.

Die Revolution frisst Ihre Kinder

Wer auch immer Satoshi Nakamoto wirklich ist, die Erfindung der Bitcoins und noch viel mehr die Realisierung der Distributed Ledger Technology in Form einer Blockchain waren ein Meisterwerk! Ich glaube nicht, dass Bitcoins auf lange Sicht überleben werden. Ich glaube auch nicht, dass in Zukunft die Existenz einer Digitalwährung als ausschließlicher raison d'etre Bestand haben wird. Was aber bleibt, ist der Proof of Concept, dass die seit langem bekannte Theorie über eine kryptographische Kette in der Praxis tatsächlich funktioniert.

Es ist inspirierend mit anzuschauen, welche Konzepte auf Basis der Blockchain gebaut wurden und noch gebaut werden. Die Möglichkeit, Prozesse ohne teure Vermittlungspartner schnell, sicher und effizient abwickeln zu können, überwindet etliche, heutzutage existierende Hemmnisse. Das alle heutigen Prozesse mittels Blockchain ersetzt werden glaube ich nicht. Die "entweder Blockchain oder alte Welt“-Denke ist zu kurz gesprungen. Ich glaube es wird Kombinationen aus beiden Systeme geben. Da wo heutige Prozesse intransparent und kompliziert sind, hat die Blockchain Technologie eine echte Chance, diese zu ersetzen. Ripple und Ethereum machen dies vor. Analog zu DNA Strängen kann ich mir gut vorstellen, dass sich zukünftig einzelne heute getrennte Blockchains ineinander verweben und wiederum zu einer neuen Kette geformt werden können.

Die größte Stärke einer Blockchain ist zugleich das höchste Risiko – die disruptive Kraft. Von daher werden neue Blockchain Anwendungen und/oder Kombinationen entstehen, welche die heutigen Systeme zu Grabe trage. Zwar sind die jetzigen Blockchains keine reinen Trial and Error Versuche mehr. Die Technologie ist aber noch zu jung, um von Standards und langfristigen Überlebenschancen zu sprechen. Diese werden sich erst in den kommenden Jahren herausbilden. Von daher ist es einfacher zu beurteilen, welches Blockchain-System die Zukunft wohl nicht mehr erleben wird, als eine Prognose darüber abzugeben, ob hier ein neues Google oder Amazon heranwächst. Jenseits des reinen Gezockes bieten Ethereum und Ripple gute Chancen für ein Investment. Fakt ist aber, dass die Systeme sich extrem schnell ändern bzw. permanent neue Wettbewerber entstehen. Daher sollte man immer am Ball bleiben und die Hand stets über dem roten Ausstiegsbutton halten.

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