Deutschlands Banken – too small to succeed!

Deutschlands Banken – too small to succeed!

Nun ist es soweit! Mit der Geschwindigkeit eines fallenden Steins rauscht der Aktienkurs der Deutschen Bank in Richtung Ramschniveau. Die Lawine brachte das US-Justizministerium mit seiner Forderung von 14 Mrd. USD ins Rollen. Aber ist diese angedachte Strafzahlung wirklich die Ursache für den desolaten Zustand der deutschen Banken? Nein, das Problem liegt viel tiefer. Wenn man sich die aktuelle Übernahme von Monsanto durch Bayer anschaut kann man zum Schluss kommen, dass einheimische, international agierende Unternehmen von keiner einzigen deutschen Bank begleitet werden (können). Dies sollte uns zu denken geben!

Eins vorweg: Ich möchte hier keine verklärte Lobhudelei auf Banken abhalten. Der heutige Zustand vieler deutscher Kreditanstalten ist die Folge von Großmannssucht, Gier, Selbstgerechtigkeit und Dummheit. Eine kleine Elite, der natürlich auch die Vorstände angehörten, hat sich aus dem Vollem bedient - zu Lasten vieler ehrlich arbeitender Mitarbeiter und Menschen. Das ganze fand vor den Augen von überforderten oder unfähigen Aufsichtsgremien statt.

Traumjob Banker?

Man muss aber auch sagen, dass viele Banker einen – wäre man nicht so gebildet wie ich smilie klein würde man sagen – Scheißjob haben. Die armen Knechte befinden sich häufig in der klassischen Sandwichposition. Sie sollen wöchentlich wechselnde margenstarke Produkte verkaufen, jede Minute mit nachweisbaren Terminen füllen und dabei auch noch ehrlich zum Kunden sein. Denn dies verlangt ja die neue Werbestrategie – Sie wissen schon: Joggerin und so. Wenn einem dann das Feierabendbierchen fast jeden Tag noch mit neuen Hiobsbotschaften über Abbauprogramme versüßt wird, kann ich die Frustration vieler Banker nachvollziehen.

Das klare Feindbild

In Deutschland hat sich in den letzten Jahren ein Feindbild herauskristallisiert, welches für alles herhalten muss. Finanzkrise? Klar, die gierigen Banker sind schuld! Griechenland, Zypern? Die Banker sind Schuld! Schlechter Sommer?! Na Sie wissen ja, wer schuld ist. Der gemeine Deutsche freut sich, wenn eine WestLB „verportigoniert“, eine Bremer Landesbank oder SachsenLB geschluckt, eine Hypo Real Estate oder Eurohypo abgewickelt wird und eine Deutsche Bank oder eine Commerzbank leiden muss. Dieses - auch gern von Politikern zur Schau getragene - missgünstige Lächeln wird uns aber noch vergehen!

Zustandsbericht

Schauen wir doch einmal, welche Banken dem DAX-Liebling Bayer im Rahmen der Übernahme von Monsanto eine Zwischenfinanzierung stellen. Das sind: Bank of America Merrill Lynch, Credit Suisse, HSBC, Goldman Sachs und JP Morgan. Ich kann hier keine deutsche Bank erkennen. Dies ist nur ein weiterer Stein in der Mauer…..ach nein, sagen wir lieber beim Steinigen der Banken. Sobald eine Bank Staatshilfe benötigte – und das waren in Deutschland nun einmal ein paar – wurde deren Geschäftsmodell von vermeintlichen Fachleuten der EU-Wettbewerbskommission mit der Heckenschere auf Stammesdicke zurückgeschnitten. „Als Landesbank deutsche Mittelständler ins Ausland begleiten? Alles zu risikoreich, bitte schließen!“ Selbst Erich Honecker hätte bei den selbst erkorenen EU-Fachleuten noch in die Lehre gehen können. Denn die zentralistische Gleichschaltung der Banken-Geschäftsmodelle sucht seinesgleichen. Da kann es eigentlich auch niemanden verwundern, dass sich alle Banken auf den gleichen Kunden stürzen. Denn alle anderen Geschäfte wurden ja aufgrund der Eigenkapitalanforderungen faktisch untersagt. Siehe hierzu auch mein Post Ein Herz für Banker – denn schlimmer geht immer!

Nachtrag 07.11.2016: Heute gab es im Handelsblatt auf Seite 30 einen thematisch passenden Artikel mit dem Titel "Das Deutsche Dilemma - Viele europäische Banken verdienen wieder prächtig. Doch die deutschen Institute tun sich weiter schwer...". Dazu gehörte auch die folgende Grafik - Die Nachricht ist selbsterklärend!ärmliche Deutsche Bankprofite

Wir Deutschen können nur Maximum

deutsche übertreibung in der bankenregulierungIch habe manchmal das Gefühl, dass es auf Ebene unser EU-Politiker einen etwas naiven Denkansatz in Bezug auf globale Finanzströme gibt. Getreu dem Motto „Wenn wir hier ein paar große Steine ins Wasser schmeißen, werden wir den Fluss schon blockieren“, hört das Denken gleich hinter der Europäischen Außengrenze auf. In Deutschland treiben wir es dann noch auf die Spitze. Es reicht ja nicht, dass sich müßiggang-geplagte Beamte auf Europäischer Ebene eine Art Wettkampf im Finden von noch kruderen Regulierungsmaßnahmen liefern. Nein, wir in Deutschland müssen natürlich noch einmal eine Schippe drauflegen. Denn Minimalanforderungen sind nur etwas für Drückeberger und Südländer!

Regulierung als Standortpolitik

Die Mitglieder von Basel III, die regulatorische Antwort auf die Finanzkrise, wurde in der EU per Direktive in jeweilig nationales Recht gepresst. Andere Länder schauen sich die Einführung in Europa entspannt an und gehen ihrerseits die Umsetzung eher entspannt an. Zwar gibt es das so genannte „Regulatory Consistency Assessment Programme (RCAP)”, welches die Gleichheit der Basel III- MINIMUMstandards in den einzelnen Mitgliedsländern gewährleisten soll. Fakt ist aber, dass jedes Land diverse Stellschrauben hat, Regelungen in unterschiedlicher Härte umzusetzen. Damit ergeben sich im global gesehen entweder Standortvor- oder Nachteile für international tätige Banken. Nun kann man ja mal raten, in welcher Kategorie Deutschland einzuordnen ist.

Bankenbranche als Einzelfall?

Schaut man einmal etwas tiefer in die Airline Branche stellt man fest, dass nahezu alle Fluglinien der Welt – ganz vor dabei die unserer Amerikanischen Freunde, bereits seit Jahren mehr oder weniger pleite sind und nur durch direkte oder indirekte (Staats)Maßnahmen am Leben gehalten werden. Klar, Fluglinien sind letztlich wie Blutbahnen in einem Körper - für die wirtschaftliche Prosperität unerlässlich. Gilt aber letztlich nicht auch das Gleiche für Banken? Sie sind das Herz, welches das Finanzblut durch den Körper pumpt. Wollen wir Deutschen wirklich auf dieses Organ verzichten? Nicht umsonst gönnt sich Deutschland eine KfW oder fast jedes Bundesland eine Förderbank. Und nicht umsonst gründen die aufstrebenden Länder dieser Welt eine eigene Entwicklungsbank. Banken bedeuten Macht!

Wer die Bankenlandschaft beherrscht, beherrscht die Wirtschaft!

Wenn wir in Deutschland so weitermachen, sind unsere Konzerne und Exportweltmeister-Mittelständler zukünftig von ausländischen, vorzugsweise anglo-amerikanischen Banken, abhängig. Ich bin kein Verschwörungstheoretiker, aber man muss einmal einen Blick über den Teich werfen und sich die Frage stellen, wem die Entwicklung der letzten Jahre eigentlich nützt und was das eigentliche Ziel sein kann? Denn sollte es in den USA eine tiefere Verbindung zwischen Regierung und Banken geben, wovon meines Erachtens durchaus ausgegangen werden kann, ist faktisch (nur) ein Land dieser Erde in der Lage, die weltweiten Finanzströme zu analysieren und letztlich auch zu steuern oder zu manipulieren. Ein weiteres Puzzleteilchen ist auch die Einsicht in die Informations- und Zahlungsströme des Bankennetzwerks SWIFT.  Diese Informationen sind meines Erachtens nichts anderes als eine Art Informations-Zoll, den jeder Marktteilnehmer leisten muss. Damit kann man über Banken aktive Zoll- und Wirtschaftspolitik aktiv betreiben.

Alles nur ein Missverständnis?

Vieleicht überinterpretiere ich das aber auch und es handelt sich nur um das Aufeinandertreffen zweier Philosophien. Wir Deutschen, die alles aus der langfristigen Perspektive betrachten, alles ordentlich und sauber geregelt haben wollen, treffen auf Anglo-Amerikaner, die den Dollar lieber heute als morgen in Tasche haben möchten. Beides sind valide Modelle. Aber im weltweiten Wettkampf wird das kurzfristig orientierte Modell die Deutsche Variante ausstechen. Zusätzlich ergeben sich aus der amerikanischen Vorgehensweise keine höheren Risiken für die USA. Denn wenn es knallt, ist es (weil Finanzströme nun einmal global sind) eh ein Problem für die Welt und muss von allen gelöst werden.

Ist die regulatorische Zielsetzung richtig?

In der Finanzkrise hat sich ein Slogan herausgebildet, der letztlich auch als Kerngedanke der Bankenregulierung bezeichnet werden kann: „Too big to fail. Keine Bank soll ihre Rettung durch schiere Größe erpressen können. Da steht aber nirgendwo etwas davon geschrieben, dass eine Bank so klein werden muss, dass man sie mit dem Pantoffel zertreten kann. So haben wir Deutschen das aber interpretiert! Ich glaube auch, dass die Regulierung auch nur einzelne Banken im Fokus hat. Das Bankensystem eines ganzen Landes kann aber – wie in den USA – auch „too big to fail“ sein. Und für Deutschland gilt aktuell leider: „Too small to succeed!“

Fazit

Auch wenn es uns Vollkasko-Deutschen innerlich die Nackenhaare aufstellt: Wir müssen es schaffen anstelle in der Vergangenheit zu wühlen endlich in die Zukunft zu blicken und zu akzeptieren, dass Banken nicht nur turbo-kapitalistische Spielbuden sind, sondern grundlegende und essentielle Funktionen für den Wirtschaftskreislauf erfüllen. Starke Banken haben eine Daseinsberechtigung und sind für die Stellung von Deutschland im Sturm der ökonomischen Globalisierung unabdingbar! Die Deutschen Regulierungsbehörden und Spitzenpolitiker müssen endlich auch den Blick über den EU-Tellerrand hinaus richten und schauen, wie andere Länder ihre Karten spielen. Globale Finanzströme lassen sich nun einmal nicht mit lokalen Alleingängen regeln. Für Deutschland gilt: Für extra Korrektheit gibt es keine Extrapunkte! Und für uns alle gilt: Wer billige Fernseher aus Südkorea und Klamotten aus Bangladesch haben will, der muss sich auch mit unsexy Kehrseite der Globalisierung beschäftigen. Dazu gehört auch die Bankenregulierung.

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