Ein Herz für Banker – denn schlimmer geht immer!

Als Banker hat man es heute auch nicht mehr leicht. Von den Eltern und Großeltern in ein anständiges, fast beamtenähnliches Berufsbild geschoben und mit dem festen Glauben daran, überall auf Anerkennung zur Berufswahl zu stoßen, wird der Banker von allen Seiten angefeindet. Es findet ja sogar ein regelrechtes Banker-Bashing statt. Zugegebenermaßen ist kein Berufsbild enger mit der Vorstellung eines Brutalo-Kapitalismus verknüpft, als das des Bankers. Aber wir müssen diese armen gescholtenen Wesen in Schutz nehmen, denn es kommt zukünftig noch viel dicker!

Banken haben es aktuell wirklich nicht leicht. Während sich unsereins im Spannungsfeld zwischen Bier und Breze bewegt und entscheiden muss, mittels welchem Kalorienträger der Wohlstandsranzen wieder gefüttert wird, haben Banken mit vielfältigen Herausforderungen zu kämpfen.

Das Monster namens Regulierung

Zum einen ist da eine stetig zunehmende Regulierung. Seit 2009 sehen sich viele Politiker in der Lieferpflicht und überbieten sich mit immer wilderen Regelungen bezogen auf die Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung von Banken. Daneben findet natürlich noch ein Gerangel statt, bei wem jetzt eigentlich die Hoheit über die Bankenaufsicht wirklich liegt und wer wem etwas zu sagen hat. Anstelle den Banken die Freiheit zu überlassen, mit welchen Zielkunden und mit welchen Geschäften sie eigentlich Geld verdienen möchten, werden die Geschäftsmodelle aller Banken aufgrund der zentralen Vorgaben letztlich gleichgeschalten. Wen wundert es da, dass die 15. Bank beim gleichen, bonitätsstarken Kunden steht und Geschäft machen möchte und die Preise für alle Bankprodukte stetig erodieren. Jeder Wimpelhändler besitzt mehr unternehmerische Freiheit. Denn er kann entscheiden, ob er mit jungen Gebrauchten oder alten Rostmöhren handelt. Es gibt für beide Geschäftsmodelle gute Gründe und passende Kunden – es ist wie immer eine Frage des Preises!

RegulierungEines sei hierzu noch angemerkt: Verletzungs- und Schmerzpunkt fallen in der aktuellen Regelungsmethodik weit auseinander. Was meiner ich damit?! Nun, wenn man jemand für sein Handeln verantwortlich machen möchte (und sollte!), dann muss man ihm auch Entscheidungsfreiheit geben. Andersherum formuliert: Wer trägt denn in den zentralen Regelungsstellen die Verantwortung, wenn sich der Erfolg der gleichgeschalteten Geschäftsmodelle nicht einstellt?

Das Versiegen der Zinsquelle

Neben der Regulierung macht das Zinsumfeld den Banken, vor allen den Sparkassen und Geno-Banken, zu schaffen. Denn mit dem klassischen Rauschen der auflaufenden Zinsen durch Fristentransformation ist es schon seit einer ganze Weile Essig. Cross-Selling durch Geldanlagen ist auch nicht mehr möglich, was dazu führt, dass viele Banken die Pricing-Strukturen ihrer Produkte hinterfragen müssen. Erhöhen können Sie die Preise freilich nur selten, denn sonst wird aus Bank Nr. 1 ganz schnell die oben beschrieben Bank Nr. 15. Neben den negativen Anlagezinsen (pardon: Verwahrgebühr) tritt die EZB nun noch in direkte Konkurrenz zu den etablierten Geschäftsbanken und kauft den Markt für große Unternehmensanleihen leer. Wieder ein Bausteinchen weniger.

Der Kampf um das Vertrauen

Neben den oben beschrieben Schraubzwingen baut sich im Toten Winkel der Allgemeinheit noch ein weiterer Druckpunkt auf. Ich spreche von Digitalisierung in multipler Form. Nehmen wir eine Technologie wie Block-Chain, auf der ja auch die im Darknet so beliebten Bitcoins beruhen. Erste Banken und Börsen experimentieren sehr intensiv mit dieser Technologie. Faktisch in Echtzeit können nahezu jegliche Informationen – also auch Orders, Verträge, Überweisungen usw. – von einer Person zu anderen übertragen werden. Das Besondere ist hierbei die Geschwindigkeit und die Sicherheit, anders formuliert, das Vertrauen der Akteure in diesen Übertragungsweg. Wer sich schnell und übersichtlich auf Englisch aufschlauen möchte: hier.

Nun frage ich einmal, ob nicht Vertrauen die Basis eines jeden Banken-Geschäftsmodells ist. Denn ich könnte ja auch 1.000 EUR in ein Briefkuvert stecken und per Post an den Verkäufer meiner letzten Ebay-Devotionalien senden. Nichts gegen die Post, aber ich vertraue nicht darauf, dass das Geld wirklich sicher ankommt. Ergo bediene ich mich einer Bank als Dienstleister und tätige über sie eine Überweisung. Wenn es also jemand schafft, dass Kundenvertrauen von den Banken weg auf seine Methodik oder Technology zu ziehen, dann sieht es mit der Basis des Geschäftsmodells Zappen duster aus. Zumal das Bankenimage, aus meiner Sicht ein guter Maßstab des Vertrauens, bereits stark ramponiert ist. Ich bin nicht in Kenntnis einer Studie, aber ich behaupte ins Blaue hinein, dass es nicht wenige Menschen gibt, die den Marken Apple, Google, Facebook, vielleicht sogar Aldi und Lidl mehr Vertrauen schenken, als ihrer eigenen Hausbank.

Marken

The Next Big Thing?

Da sind wir schon beim nächsten Thema: Die richtig coolen Jungs wollten nach dem Studium alle in das Investment-Banking. Da ist man dann schnell reich, kann teure Uhren tragen und schwebt sowieso über den Dingen. Nun sage ich aber, the next big thing spielt im Zahlungsverkehr. Allerdings war das Wort „Zahlungsverkehr“ den zugehörigen Mitarbeitern aber zu langweilig (sie wurden von den Investment-Jungs immer gehänselt) und deshalb heißt dieses Geschäftsfeld nun Transaction-Banking. Wie Zahlungsverkehr funktionieren kann, zeigt uns Paypal seit Jahren. Apple möchte mit seinem Zahldienst demnächst in der Schweiz starten – ich nehme an, als Blaupause für den deutschsprachigen Raum. Da lehnt sich mancher Zahlungsverkehr-, sorry Transactionbanker bequem zurück und sagt: „Sollen die doch erst mal an den stationären Handel kommen“. Da sage ich: „Die haben über 200 Milliarden (nicht Millionen) USD in der Kriegskasse (zugegeben, aktuell sind es 13 Mrd. weiniger, wollen doch die Europäer so etwas uncooles wir Steuern haben). Und wenn die wollen, stellen die jedem Händler das benötigte Gerät hin. Und wenn die noch mehr wollen, verlangen die keine Gebühren, sondern zahlen dem Händler noch eine Art Key-Money für die Kundenakquise. Nix mehr mit EC- oder Kreditkartengebühr….“.

Mobile ZahlungSo schlau wie ich waren die Banker ja auch und haben dann ganz wilde Projekte gestartet. So gibt es nun die Deutsche Antwort auf Paypal, die den Amis mal zeigen soll, wo der „made in Germany“- Hammer hängt. Nach nur 4 Jahren und mehreren Scheidungen und Wiederhochzeiten der Teilnehmer hat es das deutsche Bankenlager geschafft, den Zahlungsverkehrsdienst Paydirekt (auf) die Beine zu stellen. Ich meine gelesen zu haben, dass im Sommer 2016 pro Monat 600 (in Worten Sechshundert) Zahlungen abgewickelt wurden. Ob dies für einen Short-Sell der Paypal Aktie reicht?

Jetzt bandelt aber der Regulierer (Schraubstock 1) mit der Digitalisierung (Schraubstock 3) an und heraus kommt eine EU-Geburt namens Payment-Service-Directive II (PSDII). Auch wenn dieses Kind per se nicht schön ist, bringt es zusätzlich noch eine große krumme Hackennase in Form der sog. „Access to Account“ (XS2A) Schnittstelle mit. Diese Regelung verpflichtet alle Banken eine Schnittstelle zum Kundenkonto bereitstellen zu müssen. Über dieses Interface können dann Drittanbieter wie z.B. Fintechs Bankgeschäfte abwickeln oder Kontoauszüge abrufen – Kundeneinwilligung vorausgesetzt. Die EU Regelung muss bis Januar 2018 in nationales Recht umgesetzt werden. Die Zeit läuft also.

Aber wie jetzt: Die Banken sollen die ganze teure Infrastruktur und IT vorhalten, um dann für den Bruchteil eines Cents das ganze lukrative Geschäft an Firmen abzugeben, die eine Aqua-Button App programmieren und dafür saftige Gebühren vom den Kunden abgreifen, die nie bereit waren den Banken auch nur das schwarze unter den Nägeln zu gönnen und die alle Daten auswerten und verkaufen können, die wir aufgrund der Regulierung nie weiterverarbeiten durften? Ähh, ja ganz genau!

Aus meiner Sicht wird es schnell gehen, dass es eine Lidl oder Aldi und Co App gibt, mit der ich durch Auflegen meines Smartphones an der Kasse zahle. Die App wird mir dann den Kassenzettel per Pdf zusenden, mich über aktuelle Aktionen meiner sonst gekauften Lieblingsprodukte (Bier&Breze) informieren und mich vor dem Bezahlen erinnern, dass ich Butter vergessen habe. Denn diese kaufe ich gewöhnlich im Zweiwochenrhythmus und der wäre jetzt rum.

BaumrankeEs hat sich in den letzten Jahren eine Ökonomieform herausgebildet, die ich gern einmal mit einer Kletterranke vergleichen möchte. Die Ranke umwickelt einfach den Baum und lässt diesen dadurch unsichtbar werden. Nach außen hin sieht man nur noch die nette grüne Ranke. Aber ohne den Baum würde diese letztlich nur an der Erde herumkriechen. Das größte Taxiunternehmen besitzt kein einziges Taxi, der größte Hotelanbieten kein einziges Zimmer, der größte Inhaltsvermarkter keinen einzigen Redakteur. Letztlich kann man die Rechnungslegungsvorschriften für diese Kletterranken-Firmen abändern. Denn der Jahresabschluss besteht eh nur aus einer GuV. Die teuren Investments und Bilanzen für den Aufbau der Infrastruktur haben ja dann nur solche Bäume wie die Bahn, Telekom, der Staat und Co. Wenn die Banken nicht aufpassen, dann geschieht mit ihnen genau das Gleiche: „Mach Du mal das teure Kabelgedöhns, ich verdiene meine Geld lieber mit Werbung. Achja, sorge bitte für eine hohe Bandbreite und Verbreitung. Tschö mit Ö und Danke“.

Fazit

Nun kann man den Kopf in den Sand stecken oder diese Herausforderung, die zweifelsohne vorhanden ist, auch als Chance verstehen. Ich denke viele Banken haben dies bereits verstanden und Maßnahmen ergriffen. Allerdings heißt dies nicht, kopflos Geld in jedes sinnfreie Startup zu ballern, sondern sich eine klare und nachhaltige Strategie zu überlegen. Gelingt dies nicht, könnte es in Zukunft Mitleid anstelle von Banker-Bashing geben. Ich weiß aber nicht, was von beidem schlimmer ist?!

Bewerte diesen Beitrag:
6
 

Kommentare

Derzeit gibt es keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!
Gäste
Mittwoch, 28. Juni 2017

Sicherheitscode (Captcha)

Weitere Posts

14. Oktober 2016
Die Idee eines vereinten Europa war und ist visionär. Seit über 70 Jahren dient sie als Garant für Frieden und Freiheit. Warum aber riskieren wir durch eine unnütze Einheitswährung dieses wegweisende ...
5
20. September 2016
Würden Sie jemandem Ihr Vermögen anvertrauen, der gelernter Maurerlehrling ist oder den es verwundert, wenn nach 10 Jahren Wände neu gestrichen werden? Nein? Lesen Sie hier, warum Sie es vielleicht sc...
5
06. Oktober 2016
Ich kann es nicht mehr hören und sehen! Verwöhnte Muttersöhnchen von Elite-Universitäten meinen, die Welt hätte auf Ihre „Du brauchst deinen Hintern nicht mehr bewegen, lass es einen Anderen für dich ...
9