Bier&Breze - Der Philoskonomie Finanzblog

Ziel dieses Blog ist es, Denkanstöße zu geben und Diskussionen zu provozieren. Meine Posts sind nicht wissenschaftlich belegt, in der Regel absolut subjektiv, einseitig und wertend. Aber genau damit möchte ich Ihnen einen Nadelstich versetzen, der Ihnen hoffentlich einen Kommentar abringt.

Ein Schelm ist, wer Böses dabei denkt...

Ein Schelm ist, wer Böses dabei denkt...

Wie schön war die Zeit als man im Aldi die Aufmerksamkeit der Kassiererin und aller Wartenden auf sich zog, indem man die Flasche Billig-Cola mit einem 500 Euro Schein bezahlen konnte. Wenn der Durchmarsch bei DSDS ungerechtfertigterweise nicht funktioniert hat, konnte man sich so selber immer noch einen bühnenreifen Showdown gönnen – mit Zwangspublikum, allerdings in der Regel ohne Applaus. Nun wurde uns diese letzte Möglichkeit des großen Auftritts auch noch genommen. Aber warum?

Ein Fachunkundiger würde meinen, man kann ja dann auf einen 200er ausweichen. Ich hoffe wir sind uns aber alle einig, dass der Auftritt mit einem 200er Schein eher ein verkorkstes Trauerspiel darstellt, getreu dem Motto: zu Mehr hat es nicht gereicht.

Warum wurde der 500 Euro Schein denn abgeschafft?

Als Begründung der Abschaffung wurde von Seiten der EZB die Themen Terrorismus, Kriminalität und Geldwäsche ins Spiel gebracht. Aussagegemäß benutzen die Gangster leider keine EC-Karte oder Banküberweisung. Schaue ich mir aber aktuelle Meldungen aus dem Bereich Cybercrime an, sieht diese Argumentation für mich aber etwas schmalbrüstig aus. Haben da nicht Kriminelle 81 Mio. USD von der Zentralbank in Bangladesch via SWIFT abgezwackt und sind Bitcoins nicht die offizielle Währung des Darknet? In keinem dieser Meldungen habe ich etwas über einen 500er gelesen, der mittels Rohrpost über das Internet verteilt wurde.

Zweifel angebracht?

500 euro abschaffungNun gut, aber warum sollten wir Anlass haben, an den offiziellen Aussagen zu zweifeln?! In der Ausgabe des Handelsblatts (DO, 01.09.2016, Nr. 169, Seite 8 „Der einsame Mario Draghi“) äußert sich HVB-Chef Theodor Weimer mit folgendem Satz „Wir zahlen 0,4 Prozent Strafzinsen, was dazu geführt hat, dass wir das Geld inzwischen kubikmeterweise einlagern, um dem Strafzins zu entgehen. Das ist schon per se eine kritische Situation.“ Aha, kubikmeterweise einlagern? Strafzinsen entgehen? Könnten dies Maßnahmen sein, die auf das Wohlwollen von EZB-Chef Mario Draghi stoßen? Wohl eher nicht! Möchte man nach der Abschaffung des 500ers weiterhin Geld einlagern, benötigt man schon drei anstelle von einem Schein (ich spare mir hier die Vorrechnerei). Ja ich weiß, die Scheine haben leicht unterschiedliche Größen und deswegen kann man genaugenommen nicht vom 3-fachen Volumen sprechen. Sie wissen schon, was ich meine. Dreimal mehr Volumen ist gleich dreimal mehr Lager- und Tresorraum, ist gleich dreimal höhere Kosten….weiß ich nicht, aber zumindest eine massive Kostensteigerung. Diese scheinbar kleine Abschaffungsmaßnahme sorgt dafür, dass der Business-Case „Bargeld bunkern anstelle von Strafzinsen zahlen“ bei dem aktuellen Zinsniveau, sagen wir mal zumindest, an Attraktivität verliert. Aber:

1. Kann die Vorteilhaftigkeit ganz schnell wieder steigen, wenn das Alternativszenario „Strafzins“ noch weiter verschärft wird

2. Behalten alle alten 500er ihre Gültigkeit. Ich denke also nicht, dass die Banken diese gebunkerten Scheine so mir nichts, dir nichts herausrücken.

Es gibt neue Geschäftsmodelle!

Zur Ehrenrettung unserer offiziellen Stellen muss man aber erwähnen, dass der Preis eines 500er (hört sich doch schon einmal sehr kurios an) unter Kriminellen auf über 500 EUR angestiegen ist. Von daher scheint an der Beliebtheit des Scheins bei Gangstern etwas dran zu sein. Hier würde auch meine neue Geschäftsidee für die EZB ansetzen. Wir wäre denn so ein „unter dem Tresen“-Verkauf von druckfrischen 500ern, für sagen wir mal für 550 EUR? Allerdings ist eine Abschaffung der Geldwäsche-Dokumentationspflichten für den Betrieb dieses Geschäftsmodells notwendig. Alternativ könnten aber auch Büchereiausweise als behördliches Ausweisdokument akzeptiert werden. Auch könnten die Geschäftsbanken ihre Bilanzen aufmöbeln, indem sie den Wert ihrer gebunkerten 500er Scheine nach der „mark to market“-Methode hochschreiben. Soll doch bitte niemand sagen, eine Bank könne bei den Niedrigzinsen keinen Profit erzielen!

Und jetzt?

So, und was mache ich nun um zwangsweise noch etwas Aufmerksamkeit an der Aldi-Kasse zu erzeugen? Darüber hat Mario Draghi kein Wort verloren. Eine Idee hätte ich schon, denn ich habe gelesen, dass irgendwann die Cent-Münzen abgeschafft werden sollen. Nun aber los, Sie wissen ja was zu tun ist!

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