Geldwäsche?! Wenn schon, dann richtig!

Geldwäsche?! Wenn schon, dann richtig!

In meinen Posts schreibe ich häufiger über Geld, das Vertrauen das in ihm liegt und welche Zahlungsmittel es noch gibt oder geben könnte. Aber auf das, was sich Drogenhändler in den USA haben einfallen lassen, wäre ich auch in 100 Jahren nicht gekommen.

Im Beitrag Juhu, ich bin steinreich! Sie auch? schreibe ich über die Voraussetzungen, die ein Zahlungsmittel erfüllen muss, um als solches akzeptiert zu werden. Als Besonderheit führe ich das Geld der Einwohner der Insel Yap an. Diese haben über lange Zeit riesige Steine als Geld verwendet. Das es noch viel kurioser geht, zeigten 2012 Gangster in den USA.

Raub von WaschmittelEin großes Problem für US-Einzelhändler sind die sog. Shoplifters, die teilweise straff organisiert und nicht unerhebliche Mengen der Ladenware klauen. Diese wird dann von den Langfingern selber oder notfalls über Ebay oder willfährige Pfandhäuser weiterverschachert.
Völlig unverständlich war es aber, dass die Diebstähle des Flüssigwaschmittels der Mark Tide in 2012 explodierten. Manche Läden wurden gleich mehrfach überfallen und dabei jedesmal nur dieses Produkt geklaut. Klar, Waschmittel benötigt jeder von uns – warum aber wurde immer nur eine Marke geklaut? Als die Polizei das Phänomen untersuchte stellte sich heraus, dass sich die Diebstähle bereits landesweit ausgebreitet hatten. Schnell wurde klar, dass mit dem Waschmittel keine Babysachen gewaschen, sondern Crack und Marihuana bezahlt, wurden! Wie bitte, Waschmittel als Drogengeld?! Ganz genau, der Wert einer Flasche entsprach ca. 10 USD. Da ich kein Crackdealer bin, kann ich nur mutmaßen, wieviel wohlriechende Pullen Waschmittel für eine gute Dröhnung anzulegen sind.

Warum wurde ausgerechnet Tide zur Drogenwährung

Sicherungen am WaschmittelEs ist ja nicht so, dass es keine anderen Flüssigwaschmittel in den USA gibt. Also klingt es erst einmal kurios, dass nur eine bestimmte Marke von den Gangstern goutiert wurde. Geht man aber etwas in die Details und gleicht die Eigenschaften des Waschmittels mit den Grundvoraussetzungen für ein Zahlungsmittel ab, wird schnell klar, dass die Diskrepanz nicht allzu groß ist. Siehe dazu auch meine Posts Juhu, ich bin steinreich! Sind Sie es auch? oder Würden Sie den Scheck eines gewissen "M. Draghi" akzeptieren?

Zunächst einmal besitzt ein Flache Flüssigwaschmittel im Gegensatz zu Scheingeld keine Seriennummer. Somit ist die Rückverfolgung, wann und wo das „Flüssig-Gold“ gestohlen wurde oder wer welche Drogen damit bezahlt hat nicht möglich. Wird man erwischt, hat man kein Scheinbündel in der Tasche, sondern ist sorgender Familienvater, der gerade den Großeinkauf erledigt hat. Soweit, so gut. Das erklärt aber nicht, warum nur eine Marke von den Diebstählen tangiert war. Aber genau dies ist auch das Stichwort: Marke. Bei Tide handelt es sich um ein Top-Markenprodukt des Herstellers Procter & Gamble. Das Waschmittel dieser Marke ist bei den Amerikanern bekannt, beliebt und begehrt. Damit ist sichergestellt, dass eine Flasche Tide jederzeit bei jedermann wieder in Bargeld verwandelt werden kann. Dies ist eine notwendige Grundvoraussetzung für die Akzeptanz des Waschmittels als Drogenwährung.

Fazit

Man kann manchmal gar nicht so tumb denken, wie dass was einem die Realität entgegenwirft. Die Verwendung von Waschmittel als Crack-Dollar zeigt aber auch, dass es im Vorfeld nahezu unmöglich ist zu definieren, welche Gegenstände oder Dienstleistungen als Zahlungsmittel auserkoren werden. Ist der Druck groß genug, weichen Menschen auf Alternativen zum offiziellen Zahlungsmittel Geld aus. In der Theorie der Volkswirtschaft hat Geld selber keinen eigenen Wert. Man könnte diese Annahme aber auch anzweifeln. Denn sonst würde ein 500 Euro Schein nicht mehr als 500 EUR kosten (siehe Post Ein Schelm ist, wer Böses dabei denkt...) und Menschen würden nicht auf andere Zahlungsmittel ausweichen, die ihnen, bezogen auf den Geschäftszweck, eine höhere Effizienz bringen (Stichwort: fehlende Seriennummer).

Ich glaube aber mit der Einführung von Bitcoins können die Amis ihr Tide ruhig wieder zum Wäschewaschen verwenden. Denn Crack lässt sich auch mit den unsichtbaren Cyberdollars hervorragend bezahlen. Doch wer sein Geld lieber richtig säubern möchte, der muss auch weiterhin zum Waschmittel greifen.

5
 

Kommentare 2

Gäste - Elduderino am Samstag, 14. April 2018 05:58

Verstehe ich trotzdem nicht ganz. Der Dealer hat doch einen riesen Aufwand, um alleine schon 10 Flaschen für 100$ zu verkaufen. Alleine der Transport. Es sei denn, er hat dafür Großabnehmer, weil die Liquidierung des Waschmittels so gut arbeitsteilig organisiert ist, dass da eine ganze Vertriebsstruktur entstanden ist. Schon kurios das ganze!

Verstehe ich trotzdem nicht ganz. Der Dealer hat doch einen riesen Aufwand, um alleine schon 10 Flaschen für 100$ zu verkaufen. Alleine der Transport. Es sei denn, er hat dafür Großabnehmer, weil die Liquidierung des Waschmittels so gut arbeitsteilig organisiert ist, dass da eine ganze Vertriebsstruktur entstanden ist. Schon kurios das ganze!
Atexo am Dienstag, 17. April 2018 08:03

Danke für Dein Kommentar. Meiner Meinung nach geht es in erster Instanz nicht um das Umtauschen in Geld, sondern um das Handeln (=echter physischer Austausch) der Flaschen gegen Drogen. Die Umtauschmöglichkeit ist quasi immer die „Fallback“-Lösung. Da ein nicht unerheblicher Teil der Waschmittelflaschen tatsächlich geklaut wurde und jede Flasche aufgrund der Eigenschaft des Top-Markenprodukts auch einen anständigen Preis ausweist, ist das Ganze für jemand, der keiner geregelten Arbeit nachgeht trotz des Aufwands ein lukratives Geschäft – vor allem, wenn der Diebstahl oder Drogenverkauf aufgrund der fehlenden Seriennummern nicht nachvollzogen werden kann.

Viele Grüße

Danke für Dein Kommentar. Meiner Meinung nach geht es in erster Instanz nicht um das Umtauschen in Geld, sondern um das Handeln (=echter physischer Austausch) der Flaschen gegen Drogen. Die Umtauschmöglichkeit ist quasi immer die „Fallback“-Lösung. Da ein nicht unerheblicher Teil der Waschmittelflaschen tatsächlich geklaut wurde und jede Flasche aufgrund der Eigenschaft des Top-Markenprodukts auch einen anständigen Preis ausweist, ist das Ganze für jemand, der keiner geregelten Arbeit nachgeht trotz des Aufwands ein lukratives Geschäft – vor allem, wenn der Diebstahl oder Drogenverkauf aufgrund der fehlenden Seriennummern nicht nachvollzogen werden kann. Viele Grüße
Gäste
Dienstag, 23. Oktober 2018

Sicherheitscode (Captcha)

Weitere Posts

09. September 2016
Man wird ja mal vermuten dürfen
Wie schön war die Zeit als man im Aldi die Aufmerksamkeit der Kassiererin und aller Wartenden auf sich zog, indem man die Flasche Billig-Cola mit einem 500 Euro Schein bezahlen konnte. Wenn der Durchm...
7
14. September 2016
Leicht bekömmlich
Als wir an einem schönen, sonnigen Tag einen Biergarten besuchten, fragte ich meine Kinder, was sie denn gern zum Mittag essen möchten. Die Frage war natürlich überflüssig, weil die Antwort völlig kla...
6
26. Oktober 2017
Schwer verdaulich
Das Thema Blockchain, Bitcoins, Ethereum und Co. sind aktuell in aller Munde. Vor allem in Bezug auf Bankdienstleistungen wird der Blockchain Technologie eine enorme disruptive Kraft bescheinigt. Grun...
4