Neue Parallelwährung in Italien – klar, und Montag fällt jetzt auf Dienstag

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Wer schafft es, 68 Regierungen in 72 Jahren zu bilden? Die Antwort findet sich im Süden von Europa. Hier erhält gerade der Jura-Professor Giuseppe Conte als politisch unbeschriebenes Blatt den Auftrag zur Regierungsbildung. Wie auch in anderen Europäischen Ländern haben sich die Italienischen Wähler mehrheitlich für Anti-Europa-Frust Parteien entschieden. Nun überbieten sich die Fünf-Sterne-Bewegung und die rechtspopulistische Lega gegenseitig mit Ideen, welche Geschenke man den Bürgern noch so machen könnte. Und weil Einer das alles bezahlen muss, wärmen sie eine gefährliche Idee wieder auf.

Das Dilemma

Das Italien landschaftlich ein tolles Land ist, wissen wir. Das Italien hochverschuldet ist und viele Bürger keine rechte Lust haben, Steuern zu zahlen, wissen wir auch – und zwar seit Jahrzehnten. By the way: Das durchschnittliche Pro Kopf Vermögen in Italien ist höher als in Deutschland. Nur kommt halt aufgrund der Steuermuffelzahlungsmentalität nix beim Staat an. Ergebnis? Bürger reich und Land arm! Die Staatsverschuldung von Italien ist mit 3,3 Billionen Euro die höchste in der EU. Aber mit solchen Kleinigkeiten kann man sich als Politiker nicht aufhalten, wenn man seinen Wählern Präsente wie Grundeinkommen und Flat-Tax gönnen möchte. Hohe Verschuldung auf der einen Seite, noch höhere geplante Ausgaben auf der anderen Seiten?! Kein Problem, das lässt sich lösen!

Schiebe links, merke drei

Wenn man Großes erreichen möchte, kann man sich nicht von unflexibler Mathematik beeinflussen lassen. Wer fit im Kopf ist wird verstehen, dass man Zahlen einfach dynamischer gestalten und deren Ausdrucksweise kreativer darstellen muss. Wenn man also die Schulden des gleichnamigen Bergs anders verpackt und umbenennt, sind es ja eigentlich keine Schulden mehr. Aber wie stellt man das nur an?

Ganz einfach, man begibt staatseigene Gutscheine. Mit diesen bezahlt der Staat dann die Leistungen, die er z.B. von Unternehmen bezieht. Auch Steuerrückzahlungen (jaja, die gibt es auch in Italien) oder andere Verbindlichkeiten ließen sich so bezahlen. Klingt super, vor allem wenn man einen Gutschein erhält. Der Trick bei der Sache ist aber, dass der Gutschein trotz des wohlklingenden Namens eigentlich ein Schuldschein des Staates ist. Diese Wundertüten werden auch als MiniBots bezeichnet. Bot hat aber nichts mit den bekannten Social Media Trollen zu tun, sondern steht für Buoni Ordinari del Tesoro, was man frei mit kurzlaufenden Nullkupon Staatsbonds übersetzen könnte

Die Idee der politischen Finanzchemiker geht aber noch weiter. Man könnte diese Gut-Schuld-Scheine ja handelbar machen. So könnte z.B. eine Unternehmen oder eine Privatperson wiederum ihre Schulden bei anderen Unternehmen mit dem Dokument bezahlen, usw. Das klingt ja irgendwie nach Geldnoten. Stimmt, ist es vom Grundsatz her auch (siehe Artikel Würden Sie den Scheck eines gewissen "M. Draghi" akzeptieren?). Nur ist im Falle der Wundergutscheine Italien und nicht die EZB der Schuldner. Würde Italien diese Maßnahme umsetzen würde man quasi wieder eine eigene Landeswährung einführen. Im Unterschied zur alten Lira wird diese aber nicht von einer Notenbank, sondern direkt vom Staat begeben. Und genau hier beißt sich die Katze in den Schwanz!

Wäre alles so schön gewesen

Welcher Italiener möchte denn anstelle eines Euro lieber einen Schuldschein (äh Verzeihung, Gutschein) des Italienischen Staates im Wert von einem Euro haben? Niemand. Daher wird auch kein anderer die zinslosen Gutscheine als Zahlungsmittel akzeptieren. Die Papiere sind schlichtweg nicht handelbar (fungibel). Es wäre aber nicht ausgeschlossen, dass Italien die Bezahlung mit eigenen Gutscheinen par ordre du mufti trotzdem einführt. In diesem Fall wären die Papiere meines Erachtens nur mit einem massiven Abschlag in Euro tauschbar. Dies ist eigentlich eine prima Idee, um die Staatsschulden auf die Bürger abzuwälzen. Dann würden unwillige Steuerzahlen quasi indirekt doch noch zur Kasse gebeten. Die so geschröpften Bürger bräuchten dann natürlich das versprochene Grundeinkommen. Der Kreis ist geschlossen – ein wirklicher ausgekochter Plan der Finanzgenies!

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