Pommes mit Ketchup, gerne auch ohne Pommes!

Als wir an einem schönen, sonnigen Tag einen Biergarten besuchten, fragte ich meine Kinder, was sie denn gern zum Mittag essen möchten. Die Frage war natürlich überflüssig, weil die Antwort völlig klar war: Pommes mit Ketchup! Aber was hat das mit globaler Ökonomie zu tun? Sehr viel - ich sage nur: in Kinder veritas!

Pommes? Ketchup? Nagut, kein Problem. Die Kinder zählen (noch) nicht zu den pummeligen Gestalten, die sich hier sonst so über den Spielplatz quälen. Eine Portion Pommes geht schon. Ab zur Ausgabe, die für meinen Geschmack viel zu dünnen Dinger eingesackt und noch etwas Ketchup…Halt, wo ist den der Ketchup? Ich sehe nirgendwo so einen Monstereimer, der seinen Inhalt durch behändes Herunterdrücken des Auslassnippels (oder wie immer das Ding heißt) preisgibt. Ach, da drüben liegen die kleinen abgepackten Dinger, deren Inhalt man mit einem Faustschlag so herrlich über die ganze Wand verteilen kann. Aber was ist das?! 20 Cent pro Beutelchen. Bei der Anzahl die ich mitnehmen muss, verdoppelt sich glatt der Preis für die Pommes. Aber den lieben Kinderlein zuliebe nehme ich alles mit, bezahle anständig mit einem von Mario Draghi unterschriebenen Scheck und mach mich als stolzer Vater auf den Rückweg.

BiergartenSchon von weitem erkennen die Kinder den herannahenden Vater, wahrscheinlich aber eher das schmackhaft fettige Mittagsmahl. Wie es sich gehört gibt es noch ein paar belehrende Worte, sich nicht die schönen Klamotten zu ruinieren. Dann wird ein Beutelchen von dem 20-Cent Ketchup vorsichtig auf dem Tellerrand ausgedrückt. Sieht alles ganz anständig und gesittet aus. Die Tochter fragt sogar noch „Ist das für mich Papa?“. Generös sage ich „Klar! Sei aber vorsichtig mit dem Ketchup, gibt böse Flecke“. Galant zwinkere ich noch meiner Frau zu, denn schließlich habe ich mit meiner Manager-Ansprache zukünftige Wäsche vermieden. Das Kind nickt zustimmend und nun geht es los: Es wird behutsam eine Pommes zwischen Daumen und Zeigefinder genommen und diese dann vorsichtig in das überzuckerte Etwas am Tellerrand getunkt. Ich erlaube mir noch ein innerliches „Du bis ein guter Vater“ und wende mich zufrieden meiner Zeitschrift zu.

„Spinnst Du“ schreit es auf einmal. „Du solltest doch hinschauen!“ feuert es weiter in meine Richtung. Anfänglich weiß ich nicht einmal, ob überhaupt ich gemeint bin. Mangels alternativer Personen scheint es aber wohl so zu sein. Noch völlig in den Artikel vertieft drehe ich langsam meinen Kopf und sehe die Malaise. Das Kind hat gerade zwischen 5 und 8 Pommes mit der Faust gegriffen und zieht diese mit leichtem Druck durch den in der Mitte vom Teller platzierten Ketchuphaufen. Überall trieft nun die rote Soße herunter. Das Gemisch wird nun Richtung Mund befördert, wo die Hälfte ob der schieren Größe des Batzens sofort herunterfällt und sich zu den bereits auf dem Kleid befindlichen Pommes-Ketchup-Resten hinzugesellt. Was ist hier bloß geschehen, wo war ich die letzten Minuten, es fing doch alles so gut an?!

zuckersüßer ketchuptDer süße Zucker im Ketchup hat leider dafür gesorgt, dass sich meine Tochter vom kultivierten Kleinkind zum allesverschlingenden Pommes-Zombie verwandelt hat. Als ich unter Aufbietung meiner letzten Erziehungsreserven die noch verbliebenen 20-Cent Beutelchen eingesammelt habe, wurde dies mit einem ohrenbetäubenden Geschrei meiner Tochter quittiert. Da meldete sich schließlich die Mama mit den Worten „Nun brauchst Du es auch nicht mehr wegnehmen“. OK, 20-Cent Tütchen wieder auf den Tisch. Ich beende die Szenerie, indem ich mich armeverschränkend und leicht schmollend auf der Bank zurücklehne.

Und da fällt es mir ein: Irgendwie erinnert mich das Schauspiel an die Liquiditätspolitik aller Zentralbanken während den letzten 10 Jahre: Die guten Vorsätze, der süße Ketchup und das Resultat....

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Kommentare 1

Gäste - Torben am Samstag, 22. Oktober 2016 21:53

Haha, das könnten meine Kinder gewesen sein. Danke für den guten Vergleich, da ist wahrlich etwas dran

Haha, das könnten meine Kinder gewesen sein. Danke für den guten Vergleich, da ist wahrlich etwas dran
Gäste
Dienstag, 17. Oktober 2017

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