Bier&Breze - Der Philoskonomie Finanzblog

Ziel dieses Blog ist es, Denkanstöße zu geben und Diskussionen zu provozieren. Meine Posts sind nicht wissenschaftlich belegt, in der Regel absolut subjektiv, einseitig und wertend. Aber genau damit möchte ich Ihnen einen Nadelstich versetzen, der Ihnen hoffentlich einen Kommentar abringt.

Sprinter oder Knüppelwerfer – welcher Typ sind Sie?

Sprinter oder Werfer?

Haben Sie schon einmal an einem Cross-Lauf teilgenommen? Ich schon, als 14-jähriger. Eines weiß ich noch - es war nicht vergnügungssteuerpflichtig! Alle sind an mir vorbeigehopst wie schwebende Rehkitze, während ich, eher in Manier einer Blindschleiche, schauen musste, mir nicht die Haxen zu brechen. Ich hatte dieses Ereignis vollständig in der Schublade „Olle Schlübber – nie wieder öffnen!“ abgelegt. Und nun das!? Mein Trauma wird derzeit fast täglich wiederbelebt. Aber lesen Sie selbst, warum ich aktuell dem süßen Traum des Vergessens nicht frönen darf und vor allem, was dies alles mit der Frage nach vorausschauenden Investments zu tun hat.

Staffellauf im Gelände

Stellen Sie sich einmal 2 Staffellaufteams bei Cross-Lauf vor. Die Strecke ist 1000m lang und führt durch einen Wald. Pro Team stehen 3 Läufer bereit. Der Staffelstab muss pro Team zwischen den Läufern übergeben werden. Nehmen wir an, die Teams heißen rot und blau. Startpfiff, die erste Sportlerreihe läuft los. Läufer rot und blau sind gleichauf. Übergabe nach 1000m an Läuferriege 2. Beide geben alles und kommen wieder zeitgleich ins Ziel, um an Team Nr. 3 des jeweiligen Sportclubs zu übergeben. Beide rennen los. 300m sind absolviert, noch immer kein Unterschied. Aber da, nach ca. 600m strauchelt Läufer rot kurz, weil er mit Wasser von einer Pfütze, in die Läufer blau hineingetreten ist, nass gespritzt wurde - Blau führt. 700m, der Läufer in Rot kann nicht aufschließen, Blau nutzt die Motivation und gibt weiter Vollgas. Zwischen Blau und Rot liegen ca. 10m Abstand. Bei 800m kommt ein durch dichte Büsche verdeckter Streckabschnitt. Beide laufen hinein, blau in Führung, rot besessen hinterher.

Aber halt, was ist denn das?! Rot kommt als erster aus der uneinsehbaren Stelle, was für ein Rennen…

Energie fokussieren – nur worauf?

Wenn - gleich welcher Gründe - eine Situation auftritt, bei der der (vermeintliche) Konkurrent einen Vorsprung innehat, wird sich der Zurückliegende für einen kurzen Zeitraum die Frage stellen: „Kann ich aufholen oder werfe ich lieber von hinten den Staffelstab auf den Anderen“

Warum existiert dieser Gedanke nur zu einem bestimmten Zeitpunkt und lediglich für einen kurzen Zeitraum? Solange der Konkurrent nur wenig Vorsprung besitzt glauben wir, diesen jederzeit wieder aufholen zu können. Wächst der Abstand weiter schwindet diese Option und wir fangen an, nach Alternativen zu suchen. Genau in dem Moment, in dem wir uns sicher sind, dass ein größerer Abstand nicht mehr aufholbar ist und der Andere aber noch so nah ist, dass wir ihn mit einem gezielten Wurf niederstrecken können, werden wir die Option „Sprint vs. Knüppelwurf“ durchdenken. In welche der beiden Varianten wir unsere Energie investieren ist schwierig, da die Entscheidung von vielen externen und persönlichen Parametern abhängt. Was denken die anderen? Wie fair ist das? Wie fair wurde ich behandelt? Was ist meine Strafe, wenn es jemand sieht? Was ist, wenn ich daneben schieße?

Bleiben wir bei den beiden Läufern. Rot ist zurückgefallen, weil Blau in eine Pfütze getreten ist. Unabhängig der Frage, ob es Absicht oder nicht war oder ob so etwas bei einem Waldlauf typisch ist, könnte in Rot das Gefühl erwachen, unfair behandelt worden zu sein. Und wer sich unfair behandelt fühlt, neigt gegebenenfalls dazu, den Anderen auch unfair zu behandeln. Denn schließlich fühlt er sich im Recht. Daran sieht man schon, dass die Beantwortung dieser Frage sehr situationsabhängig ist. Eine weitere Zutat ist allerdings noch notwendig - Druck. Denn nur wenn wir unter starkem Erfolgsdruck stehen, werden wir beide Möglichkeiten in Betracht ziehen. Hierbei ist es nicht entscheide, ob wir uns den Druck selber machen oder dieser von außen kommt. Jeder kennt den Streithammel-Onkel, der selbst wenn er mit Kindern Karten spielt, jedes Match gewinnen muss. Fehlt der Druck würden wir uns sicherlich nicht darauf einlassen, einen Anderen niederzustrecken. Vielleicht würden wir auch einfach stehenbleiben – geht ja um nix.

Knüppel an Kopp – und jetzt?

Schauen wir uns einmal an, welche Varianten hinter den blickschützenden Bäumen möglich waren. Hierbei interessiert vor allem das objektive, ökonomische Ergebnis.

Variante 1: Würde Läufer rot aufholen, würden sich beide alles abverlangen und sich ein Kopf an Kopf Rennen bis zur Ziellinie liefern. Vielleicht käme eine neue Bestzeit für Beide heraus – fast egal, wer gewinnt. Der Sprint von hinten motiviert also beide zu Höchstleistungen und sorgt für ein positives Ergebnis.

Und was passiert, wenn Rot den Stab wirft?

(a) Er wirft daneben: Rot hat seine Chance vertan, bleibt vielleicht sogar stehen. Läufer blau läuft locker bis zum Ziel durch. Ergebnis? Team blau gewinnt zwar, aber die Teamzeit ist schlecht. Hat jemand den Wurf beobachtet, ist es mit der Freundschaft (vielleicht sogar innerhalb Team Rot) aus. Ökonomisch betrachtet ein schlechtes Ergebnis!

(b) Er trifft: Blau strauchelt und fällt hin, Rot nimmt den Staffelstab wieder auf und läuft das Rennen zu Ende. Ergebnis: Team rot gewinnt mit einer schlechten Zeit. Ansonsten gilt das Gleiche: Hat‘s jemand gesehen, ist‘s aus mit der Freundschaft. Und wieder ein schlechtes Ergebnis unter ökonomischen Aspekten!

(c) Er trifft schlecht und Blau läuft weiter. Blau gewinnt mit einer schlechten Zeit, da Rot den Staffelstab wieder aufheben müsste. Ergebnis: Freundschaft verloren und nicht einmal gewonnen - ganz blöd gelaufen! Und wieder ein ökonomisch suboptimales Ergebnis!

Fazit: Unter ökonomischen Aspekten ist nur der Sprint sinnvoll. Der Wurf eines Geschosses kostet den Werfer und den Getroffenen Energie, die dann für einen zielgerichteten Lauf nicht mehr zur Verfügung steht . Die Wurfvariante mag zwar menschlich sein, bringt aber keinerlei wirtschaftlichen Mehrwert!

Aber warum werfen jetzt alle mit Staffelstäben?

Für meinen Geschmack lässt sich das Knüppelwerfen in letzter Zeit leider viel zu oft beobachten– egal ob in der Wirtschaft oder der Politik. Aber warum ist das so? Ich glaube wir leben in einer Zeit der Ungleichgewichte. Diese führen zu Differenzen, also Abstand zwischen den Menschen. Beispiele? Bitte: Die Digitalisierung und Globalisierung zerreißt unsere Gesellschaft in Team rot und blau. Siehe Artikel Trump zeigt uns den Weg zur Rendite – it’s true!. Europa ist aufgrund der wirtschaftlichen Unterschiede geteilt in Team rot und blau. Siehe dazu Kernschmelze Europa – Festtagsumzug oder Trauermarsch? (2). Man könnte die Kette noch lange fortsetzen.

Aber wie sehen die Knüppel denn derzeit aus? Ganz einfach, die heißen HandelsHEMMNISSE und Protektionismus, AfD, Wilders, Russland und BREXIT….

Aber auch im Wirtschaftsleben kann man beobachten, wie bei einigen Firmen der Abstand zu groß zu werden droht. Es scheint dann, als wenn die eigene Energie, manifestiert in Know-How, Innovationskraft, Kreativität usw., nicht ausreicht, diese Lücke zu schließen. Sonst hätte ein Seed-Investor wie Rocket Internet nicht den Geldknüppel, geformt aus Zuflüssen des Börsengangs, herausholen müssen, um sich in einer viel zu späten Phase an Delivery Hero zu beteiligen. Für den eigenen Sprint hat es halt nicht mehr gereicht.

Also Augen auf, dass Ihr Geld nicht zum Stock geformt wird und am Tagesende auch nur ein lahmer Läufer mit rotem Trikot ins Ziel kommt. Man sollte auch seine Investmententscheidungen stets hinterfragen. Denn hoher Druck führt schnell zum Knüppelwurf…

Bewerte diesen Beitrag:
6
 

Kommentare

Derzeit gibt es keine Kommentare. Schreibe den ersten Kommentar!
Gäste
Montag, 11. Dezember 2017

Sicherheitscode (Captcha)

Weitere Posts

03. Oktober 2016
Leicht bekömmlich
In meinen Posts schreibe ich häufiger über Geld, das Vertrauen das in ihm liegt und welche Zahlungsmittel es noch gibt oder geben könnte. Aber auf das, was sich Drogenhändler in den USA haben einfalle...
5
09. Oktober 2016
Tut nichts zur Sache
Zum Glück gibt es in meinem Blog die Kategorie "Tut nichts zur Sache". Hier spielen die Dinge abseits tiefschürfender Wirtschaftsanalysen die Hauptrolle. Von daher ist es höchste Zeit, den Kuli beisei...
3
06. Juli 2017
Schwer verdaulich
Es scheint aktuell so, als spiele die Welt verrückt. Ein geriatrischer Toupet-Träger will sein Land in Wänden aus Solarzellen einigeln, ein Inselvolk holt die Ruder heraus und möchte mit dem Festland ...
4