Trump zeigt uns den Weg zur Rendite – it’s true!

Es scheint aktuell so, als spiele die Welt verrückt. Ein geriatrischer Toupet-Träger will sein Land in Wänden aus Solarzellen einigeln, ein Inselvolk holt die Ruder heraus und möchte mit dem Festland nichts mehr zu tun haben, ein russischer Macho sammelt Heimaterde ein und zu guter Letzt zündeln zu heiß Gebadete namens Le-Pen, Wilders oder Petry an jeder Lunte, die sie zu fassen bekommen. Womit haben wir all das eigentlich verdient und was bedeutet das für ein langfristiges Investment?!

Ursache und Wirkung

Ich glaube es wichtig zu verstehen, was ist die Trumps dieser Welt nicht die Ursache sondern das Ergebnis der aktuelle Entwicklung sind. Auch wenn ich mir sicher bin, dass diesen selbsternannten Anführern im Kindergarten immer die Lollis geklaut wurden, sind sie das Ergebnis eines demokratischen Wahlprozesses. Gleiches gilt z.B. auch für den BREXIT. Dies muss man respektieren, auch wenn einem das Ergebnis nicht gefällt! Und by the way: Ich glaube wir Deutschen brauchen gar nicht über den großen Teich schauen und jammern. Auch bei uns gibt es Mitmenschen die ernsthaft glauben, dass eine Ansammlung von Individuen der politischen Resterampe namens AfD eine (logischerweise einfache) Lösung für alle Probleme in der Tasche hat. Zum Glück ist dieser Haufen so unfähig, dass er sich gerade wieder selbst zerlegt.

Eine Gesellschaft im Wandel

Ich glaube der Trump-Effekt – und der steht für mich wie oben beschrieben für viele Wirren der heutigen Zeit – geht auf eine tiefer liegende Ursache zurück. Er ist Ausdruck des Umbruchs in unserer heutigen Gesellschaft – aus meiner Sicht durchaus vergleichbar mit der Zeit der Industrialisierung im 19 Jahrhundert. Auch damals haben bahnbrechende Erfindungen, wie z.B. die Dampfmaschine, Elektrizität oder das Automobil zu einem vollständigen Wandel der Gesellschaft geführt. Man denke allein an die sozialen Unruhen. Auf einmal gab es so etwas wie Fabrikarbeiter die Maschinen bedienten und somit eine Massenproduktion ermöglichten. Heute sind derartige Arbeits- und Gesellschaftsstrukturen völlig normal. Niemand würde sie in Frage stellen, zumal sie das Fundament des deutschen Wohlstands sind – Stichwort Automobilindustrie. Was aber ist die Dampfmaschine von heute? Ganz klar: das Internet, die Digitalisierung und die damit verbundene Automatisierung und auch Globalisierung. Der Wohlstand vieler Menschen – und das gilt für Amerika wie für Europa – basiert auf der Ökonomie des 20 Jahrhunderts. Diese war und ist bis heute von Maschinen geprägt, welche unaufhörlich fossile Rohstoffe verschlingen. Man könnte auch sagen, wir haben Öl zu (Achtung Wortwitz #1) Kohle gemacht. Ohne es bewusst zu merken, haben wir alle gelernt in diesem System zu leben oder zumindest zu überleben. Wir kennen die Funktionsweise, Werte und Mechanismen - kurzum die Spielregeln. Nun kommen Leute wie Larry Page, Steve Jobs oder Mark Zuckerberg und stellen – gewollt oder ungewollt – alle diese erlernten Muster in Frage. Die Welt dieser neuen Messiasse ist so simpel wie komplex, sie basiert auf nichts anderem als auf 0-en und 1-en. Auf einmal kann oder muss jeder Mensch per Twitter einen Amoklauf live verfolgen, kann seiner Oma vom Mount Everest via Skype zuwinken oder einen Flashmob vor dem nächsten goldenen M via Facebook arrangieren.

Digitalisierung sind doch die kostenlosen Pornos im Internet?

Als fader Nachgeschmack der schönen Amazon-Welt wird heute vielen Menschen langsam klar, dass die Digitalisierung keine Einbahnstraße ist und zu einer höheren Automatisierung führen wird. Man muss kein Prophet sein um zu ahnen, dass Testreihen von selbstfahrenden LKWs auf der A9, intelligente Scantechnik und Big Data Analyse in naher Zukunft viele Jobs kosten werden. Neben dieser Erkenntnis führt Digitalisierung bei vielen Menschen auch zu einer Art gefühltem Kontrollverlust. Die mühsam erlernten Regeln was "Richtig oder Falsch“ ist gelten scheinbar nicht mehr. Milchgesichtige Youngsters sind Millionäre, Bibis beauty palace ist die Kirche für Millionen Teenager und Präsidenten twittern sich mühelos in die Pole-Position. Alte Tugenden wie Fleiß, Anstand und Hilfsbereitschaft scheinen auf einmal nichts mehr zu gelten. Diese Wahrnehmung führt bei vielen Menschen zu einer diffusen Angst. Sie glauben sich an einem Spiel beteiligen zu müssen, dessen Regeln sie gar nicht (mehr) verstehen. All diese Gefühle führen dazu, dass sich heutzutage ein immer größer werdender Teil der Gesellschaft missverstanden und zugleich hilflos fühlt. Der Hände Arbeit scheint nichts mehr zu zählen, was in Verwirrung und Verbitterung enden kann. Die Menschen hinterfragen ihren eigenen Wert für die Gesellschaft und verlieren oftmals den Glauben an sich selbst und noch schlimmer, den Respekt vor sich selber. Je ausgeprägter der Wohlstand einer Gesellschaft ist, desto mehr Angst haben die Menschen, die mühsam erarbeiten Pfründe zu verlieren. Dies erklärt, warum die Radikalisierung in Ländern zu beobachten ist, die grundsätzlich ein hohes Wohlstandsniveau aufweisen und warum viele ältere und wohlsituierte Menschen die vermeintlich falsche Entscheidung an der Wahlurne treffen. Denn wer sich nicht mit den „neuen“ Spielregeln auskennt sucht andere Wege, um auf sich und seine Ängste aufmerksam zu machen. Das Resultat? Genau, ein demokratisch gewählter Trump.

Früher war alles besser!

Allein der Slogan „Make America great again“ wurde von vielen Menschen (und natürlich auch von Trump selbst) eigentlich als „Back to the good old sixties“ interpretiert. Hier schließt sich auch der Kreis zu den aktuellen Problemen. Protektionismus wird als ein Instrument verstanden, die alten Spielregeln wieder einzuführen und das scheinbar Verrückte und Neue auszusperren. Ich sage nur Förderung der Kohleindustrie und Fracking in den USA….Dampfmaschine und so. Es wäre aber naiv, nur auf die Amis zu zeigen, denn dieses Verhalten ist eine weltweite Tendenz. Der BREXIT oder das Gebaren von Ungarn, Polen und Co. sind letztlich auch nur Folgen des gleichen Versuchs. All diese Länder habe sich die Taktik scheinbar von meiner kleinen Tochter abgeschaut – Die hält sich nämlich auch immer die Augen zu und glaubt es könne sie niemand sehen. Die Geschwindigkeit des digitalen Wandels hat dazu geführt, dass auch die Politik derzeit keinen Schimmer hat, wie sie mit der Situation umgehen soll bzw. welche Entscheidungen zu treffen sind. Letztlich ist das auch nachvollziehbar, denn die heutige politische Elitenriege entstammt ja genau der „alten Welt“ und kennt auch nur deren Spielregeln. So war es aber bisher bei jeder Übergangszeit und sollte uns daher nicht beunruhigen.

Wilde Thesen

Aus meiner Sicht sind mit dem Thema gesellschaftliche Veränderung durch die Digitalisierung noch zahlreiche Entwicklungen verbunden. Um den Artikel nicht zu lang werden zu lassen, möchte ich hier daher noch einige Thesen in Kurzform aufstellen (Kommentare welcome!):

  1. Wir befinden uns erst am Anfang des digitalen Wandlungsprozesses. Es wird viel probiert und vieles davon wird wieder verschwinden (allem voran der ganze Rocket-Müll). Das was bleibt, wird die Welt verändern.
  2. Der gesellschaftliche Wandel hat ebenfalls erst begonnen. Es werden sich neue Werte und Normen herausbilden – ob wir wollen oder nicht.
  3. Die Erfolgsfaktoren ändern sich. In der neuen digitalen Welt spielt beispielsweise der Produktionsfaktor Boden eine untergeordnete Rolle. Auch wird der Vorteil der körperlichen Stärke zukünftig nicht mehr relevant sein (Nerds rule the world).
  4. Wir werden uns darauf einstellen müssen, dass es in vielen Bereichen eine instabile bis chaotische Übergangszeit geben wird. Dies gilt z.B. für Politik, Wissenschaft und Völkerbeziehungen. In dieser Phase stecken wir bereits mitten drin.
  5. Die neue (technische) Bequemlichkeit wird zur Vereinsamung und tendenziell kleineren Familien führen. Das können wir heute schon in Japan bewundern, wo sich alte Menschen einen Roboter-Hund halten. Mit Alexa und Siri wird man in ein paar Jahren eine vollständige Konversation führen können. Und im Zweifel widersprechen die nicht einmal.

Was bedeutet dies alles für ein erfolgreiches Investment?

Meiner Meinung nach wird ein Investment langfristig dann erfolgreich sein, wenn es sich als Puzzleteil in das Bild der sich ändernden Gesellschaft einfügt. So sehr ich kein Freund eines Delivery-Hero bin (aber vollen Respekt vor den armen Schweinen auf den Fahrrädern habe), muss ich aber zugeben, dass deren Strategie (Stichwort Bequemlichkeit und kleine Haushalte) genau dieses Kriterium erfüllt. Im Rahmen einer langfristigen Geldanlage sollte man sich nicht davon blenden lassen, welchen Profit eine Firma aktuell generiert. Dies gilt vor allem für Hardware Produzenten in jeglicher Branche. Denn auch Nokia oder Motorola waren einmal Marktführer. In der Zukunft wird es darum gehen, Firmen zu finden, die langfristig gesehen den Wandel in der Gesellschaft bedienen können. Denn nur wenn Produkte mit einem echten (=zu unserem Lebensmodell passenden) Mehrwert aufgeladen werden können, wird ein Kunde bereits sein, dafür etwas zu zahlen. Für mich persönlich wäre das beispielsweise ein Kühlschrank, der mir ein kaltes Bierchen öffnet und beim Betreten der Wohnung in die Hand drückt. Für meine Frau wären es sicher Schuhe, die ihre Farbe dem Kleid anpassen.

PS:

Ich möchte mich nicht falsch verstanden wissen. Die Welt dreht sich, ob uns das gefällt oder nicht. Mir geht es aber darum, Menschen und ihre Ängste nicht einfach abzustempeln. Vielleicht haben unserer Urgroßeltern zu ihrer Zeit die gleichen Ängste gehabt, als der Benz Patent Motorwagen Nr. 1 eine Pferdekutsche überholt hat. Es gilt daher den Menschen Perspektiven aufzuzeigen, denn der Weg zurück ist keine Option. Das wird auch Herr Trump und Co eines Tages verstehen. Bis dahin kann er mit seinem 64er Pontiac GTO Donuts um seine eigene Achse driften! Vielleicht ist mit Macron gerade eine neue, junge Generation am Drücker. Ich würde es mir für Frankreich und Europa wünschen. Selbiges gilt für Österreich. Hier wird über (Achtung Wortwitz #2) „Kurz“ oder Lang auch ein neuer Bundeskanzler das Ruder übernehmen. Für Deutschland sehe ich da aktuell eher (Achtung Wortwitz #3) schwarz.

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