Bier&Breze - Der Philoskonomie Finanzblog

Ziel dieses Blog ist es, Denkanstöße zu geben und Diskussionen zu provozieren. Meine Posts sind nicht wissenschaftlich belegt, in der Regel absolut subjektiv, einseitig und wertend. Aber genau damit möchte ich Ihnen einen Nadelstich versetzen, der Ihnen hoffentlich einen Kommentar abringt.

Was kann Mario Draghi von einem Malermeister lernen?

Was kann Mario Draghi von einem Malermeister lernen?

Letztens war ich in einem sehr schönen Altbau. Dieser war eindrucksvoll und tadellos renoviert, aber irgendwie roch es nach muffigem Keller. Dies hat mich an die in den letzten Jahren erprobte Handlungsweise nahezu aller Zentralbanken erinnert. Warum? Dann lesen weiter!

Der klassische Verlauf einer Unternehmenskrise

Um dem muffigen Geruch auf die Spur zu kommen, möchte ich mit dem klassischen Krisenverlauf eines Unternehmens beginnen. Dieser sieht normalerweise ungefähr so aus:

unternehmenskrise small

Der Punkt auf den ich hinaus möchte ist die letzte Stufe eines Krisenszenarios - die Liquiditätskrise. Hier spiegelt sich sozusagen die Wahrheit in der Kasse. Denn wenn alle Banken und sonstigen Geldgeber abgeklappert sind und das Tafelsilber veräußert wurde, das Loch im Portemonnaie aber immer noch groß ist, dann ist der nächste und letzte Schritt unvermeidbar. Da die Liquidität der letzte Strohhalm ist, an den sich viele Unternehmen klammern, ist es oftmals schwierig auszumachen, warum und wann die eigentliche Krise eingesetzt hat. Man spricht final dann nur noch von „Pleite“. Nun gibt es im Insolvenzrecht den Tatbestand der Insolvenzverschleppung. Das Spannende ist hierbei, dass sich nicht nur das Unternehmen selber, sondern auch Dritte, wie z.B. Banken dieses Vergehens schuldig machen können. Wie das? Wenn eine Bank einer Firma, von der sie weiß, dass sie eigentlich ohne ihr Geld pleite wär (sog. Insolvenzreife), weiterhin Finanzmittel zur Verfügung stellt, macht sie sich unter bestimmten Voraussetzungen schuldig, die Insolvenz heraus zu zögern und ggf. andere Gläubiger zu schädigen. Dies geschieht, indem die Bank die Zeit nutzt, um z.B. eigene Sicherheiten aufzustocken oder zu verwerten. Daher muss ein Geldgeber bei begründetem Verdacht schon ganz genau hinschauen, in welcher Krisenstufe sich ein Unternehmen befindet. Dies bedeutet aber nicht, dass eine Bank ein Unternehmen in der Krise per se nicht finanzieren kann. Hierfür gibt es die sog. „Sanierungskredite“. Für diese gelten aber besonderer Regelungen, um die anderen Unternehmensgläubiger zu schützen.

Ein Land als Firma?

Warum schreibe ich dies alles. Stellen wir uns doch ein Land einmal als Unternehmen vor. Die Politikerelite ist die Geschäftsführung unserer Unternehmung. Nur mit der Pleite ist das zugegebenermaßen so eine Sache, denn ein Land kann nicht einfach von der Weltkarte verschwinden und unter anderem Namen wieder eröffnen. Vom Grundsatz her gelten in dem Land – und das vergessen viele der Landesgeschäftsführer gern einmal - die gleichen wirtschaftlichen Mechanismen, wie in jedem privatrechtlichen Unternehmen auch. Nun könnte es sein, unser Landesunternehmen benötigt Finanzmittel, z.B. für den Ausbau von Straßen. Hiergegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, solange es (nicht staatliche) Investoren gibt, die unser Unternehmen willfährig finanzieren. Nun könnte es aber weiterhin sein, dass Investoren das Geschäftsmodell unseres Unternehmens nicht mehr verstehen oder vielleicht zu viele Risiken darin sehen. Die Folge ist eine versiegende Geldquelle. Aber, der „invisible hand of the markets“ sei Dank, erhöhen wir den Zinssatz, welchen wir bereit sind zu zahlen und kompensieren dem Investor sein höheres Risiko. Folge: Geld sprudelt wieder. Nun könnte es aber immer noch sein, dass die Investoren unser Geschäftsmodell nicht mehr verstehen oder verstehen wollen oder schlimmer, sie bereits mit einer Pleite unseres Unternehmens rechnen und die von uns dargereichte Zinserhöhung für sie uninteressant ist. An dieser Stelle kommt in der Monarchie, im Sozialismus oder Brutalo-Kapitalismus immer die Notenbank ins Spiel. „Wieso macht die jedes Jahr Gewinn und kann sich auch sonst billigst refinanzieren. Ach was, sie kann sogar ihr eigenes Geld drucken. Die Notenbank ist ja ein Tochterunternehmen von uns. Sie kann doch nicht tatenlos zuschauen, wie es unserem Unternehmen immer schlechter geht, nur weil die Privatinvestoren unser Geschäftsmodell nicht verstehen. Der Markt liegt hier falsch und bis dieser wieder zu Besinnung kommt, soll uns halt die Notenbank aushelfen und einen Kredit bereitstellen.“ Warum hat man dies bei der Bundesbank, der EZB und vielen anderen Notenbanken in den Statuten explizit ausgeschlossen? Weil man sehr wohl die Gefahr von derartigen Maßnahmen erkannt hat und sehr genau wusste, dass ein Durchschnittspolitiker viel lieber in die prall gefüllte Notenbankkasse greift, als schmerzhafte Strukturmaßnahmen anzugehen.

Die EZB als Dialysegerät?

Nun ist aber doch passiert: Auf die ganzen aus Sicht der EZB alternativlosen und statutengetreuen Finanzierungsmaßnahmen, Rettungspakete, Kurz- und Langfristtender usw. möchte ich hier gar nicht im Detail eingehen.insolvenz europa ezb Für mich handelt es sich, Juristerei hin oder her, um verdeckte Staats- und Bankenfinanzierung. Wie sonst können bis heute Zombiebanken, deren Kreditbilanzen aussehen wie mein Kohlenkeller, überleben. Bezogen auf den oben dargestellten Krisenverlauf besteht die Gefahr, dass die EZB durch ihre großzügige Liquiditätsverteilung oder soll ich sagen Liquiditätsaufdrängung permanent die eigentlichen Krisensymptome überspielt. Der Patient wird also mit Drogen wieder fitgespritzt und lächelt wieder. Das schöne an dieser therapieform ist, dass man sich um die Ursachenforschung nicht bemühen muss. Lässt die Wirkung nach, wird einfach wieder nachgespritzt – im Zweifel lieber etwas mehr als zu wenig. Diese Vorgehensweise ist doch eigentlich nichts anderes, als über einen tiefschwarzen Schimmelfleck an der Wand immer wieder Farbe zu streichen in der Hoffnung, diesmal könnte der unschöne Anblick dauerhaft weg sein. Wenn er dann wiederkommt, wird unter Aufbietung aller Argumente ein neuer Farbton als Wunderwaffe präsentiert und wieder darüber gepinselt. Dieses Trauerspiel vollzieht sich nun schon seit fast 10 Jahren.

Was ist nun des Malers Tipp?

Im Gegensatz zu manchem Politiker sind sich die Handwerker des Malergewerbes dieser Problemstellung völlig bewusst. Unter dem Link http://www.maler.org/schimmel-ueberstreichen-201317006 habe ich zum Beispiel eine sehr gute Analyse von Mario Draghis Problem gefunden „Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, mit denen Sie schädlichen Schimmel aus Ihrer Wohnung entfernen können. Die meisten Maßnahmen sind allerdings oberflächlicher Natur und sorgen nur für eine temporäre Erleichterung. In den seltensten Fällen genügt es, den unschönen Schimmel einfach wegzuwischen. […] Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Sie etwaigen Schimmel überstreichen wollen. Was im ersten Moment wie eine plausible und vor allem zeit- und kostensparende Selbsthilfe-Maßnahme klingt, kann sich sehr schnell als gefährlicher Leichtsinn entpuppen […] Ein einfaches Überstreichen mit handelsüblicher Farbe kann dazu führen, dass der Schimmel sich – unter der neuen Oberfläche – unbemerkt weiter entwickelt und mit der Zeit eine weitaus größere Fläche abdeckt.“ Unser Bundesumweltamt gibt in der Broschüre „Leitfaden zur Ursachensuche und Sanierung bei Schimmelpilzwachstum in Innenräumen“ konkrete Hinweise zur nachhaltigen Bekämpfung des Schimmelpilzes. Hier heißt es z.B. auf Seite 43: „Eine Schimmelpilzsanierung sollte stets mit der Beseitigung der Ursachen für die Entstehung des mikrobiellen Befalls beginnen.“

Fazit

Das Fluten der Märkte mit Liquidität hilft dem sich in der Krise befindlichen Land nicht, da die Problemursachen als Vorstufe der Liquiditätskrise allzu leicht überdeckt werden und das Gefühl einer gesunden Wirtschaft entstehen lassen. Damit fehlt vielen Politikern ein sichtbarer Grund, dringend notwendige Reformen zu initiieren. Aber: Wer einmal in einer verschimmelten Wohnung zu Besuch war weiß, auch wenn man den Schimmel nicht direkt sehen kann, es riecht muffig. Und genau diesen Geruch habe ich beim Betrachten der Schuldenberge in der Nase.

Bewerte diesen Beitrag:
7

Ähnliche Beiträge

 

Kommentare 1

Gäste - der kommentator am Donnerstag, 10. August 2017 21:25
Aktuell hält die Farbe aber....

Bei aller unkerei die icher verstehe, scheinbt es in den usa auch nicht besser zu laufen! von daher weiss ich nicht, ob die masche der ezb nicht doch die richtige antwort ist?!

Bei aller unkerei die icher verstehe, scheinbt es in den usa auch nicht besser zu laufen! von daher weiss ich nicht, ob die masche der ezb nicht doch die richtige antwort ist?!
Gäste
Montag, 11. Dezember 2017

Sicherheitscode (Captcha)

Weitere Posts

24. März 2017
Man wird ja mal vermuten dürfen
Aufgrund der Circus-Einlagen auf der anderen Seite des großen Teichs gehen die aktuellen Ereignisse in unserem Gemeinschaftsexperiment Europa manchmal etwas unter. So scheint es auch mit dem Treffen a...
5
17. Oktober 2017
Leicht bekömmlich
Letztens schaute ich an einem verregneten Tag mit meinen Kindern die guten alten Pippi-Langstrumpf Klassiker an. Plötzlich meinte ich, mich verhört zu haben. Ich musste den DVD-Player mehrfach zurücks...
1
27. Oktober 2017
Schwer verdaulich
Das Blockchains wie Ripple, Bitcoin oder Ethereum rein technisch betrachtet ein Höchstmaß an Sicherheit bieten, steht außer Frage. Aber reicht das, um in Zukunft erfolgreich zu sein? Diese Frage stell...
4